Frank Tornau zum HCL-Zuschuss: Profi-Sport lebt von Sponsoring, nicht von Steuergeldern.

Frank Tornau

Frank Tornau

Verwaltungsausschuss; FA Wirtschaft und Arbeit

Wir sprechen heute über einen Antrag dreier Fraktionen, der vorsieht, einer privaten Gesellschaft mit beschränkter Haftung 200.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zukommen zu lassen. Wir reden also über Geld, das dem Steuerzahler gehört.
Betrachtet man die im Unternehmensregister veröffentlichten Jahresabschlüsse der Gesellschaft HC Leipzig Bundesliga GmbH, kann man schon seit längerer Zeit nicht mehr von einem gesunden Unternehmen sprechen.
Der Jahresabschluss zum 30.6.2015 weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 745.659,96 Euro aus. Das ist nicht neu, auch im Jahresabschluss vom 30.06.2012 gab es diese Position schon in Höhe von 613.729,70 Euro.
Mir fehlt offen gesagt der Glaube daran, dass mit einer Zuwendung des Steuerzahlers in Höhe von 200.000 Euro nun auf einmal alles gut wird. Vielmehr habe ich den Eindruck, wir werfen hier Geld in ein Fass ohne Boden. Einen Neuanfang kann ich zumindest nicht wirklich erkennen. Jedenfalls keinen personellen, der aus meiner Sicht eine Grundvoraussetzung für eine erfolgversprechende Unternehmenssanierung ist, zumal eine wirtschaftliche Schieflage nicht erst seit ein paar Wochen besteht.
Ich bin auch ein wenig darüber verärgert, dass die Diskussion über den Zuschuss an die HCL-GmbH hier im Rat unter der Überschrift „Wir tun was für den Sport, wir tun was für den Frauenhandball“ geführt wird.
Ich finde das unredlich, insbesondere gegenüber den zahlreichen Sportvereinen in unserer Stadt, die solide wirtschaften, Sportanlagen pflegen und Jugendarbeit betreiben. Vereine, die vielleicht gern einen neuen Rasentraktor kaufen, Toiletten oder Umkleidekabinen
sanieren oder neue Sportgeräte anschaffen würden. Haushaltsmittel der Stadt sind genau für diesen Zweck da, nicht für die Förderung des Profi-Sports. Profi-Sport lebt von Sponsoring, nicht von Steuergeldern. Wir haben schließlich auch nicht versucht, den VfB Leipzig oder
den FC Sachsen mit Haushaltsgeldern zu retten.

Lothar Späth hat einmal einen Fehler der Politik wie folgt beschrieben: „Wenn die Leiche groß genug ist und damit das Beerdigungsgeschrei die entsprechende Größenordnung annimmt, dann traut sich kein Politiker mehr, die Grablegung anzuordnen. Dann wird die Leiche
mit Subventionen vorm Friedhof hin- und hergetragen.“
Lassen sie uns diesen Fehler nicht machen, sondern wirklich etwas für den Sport tun. Bitte stimmen Sie dem Änderungsantrag der CDU-Fraktion zu.
Vielen Dank!