Frauenförderpläne sind gut gemeint, aber sinnlos.  

Andrea Niermann

Andrea Niermann

Verwaltungsausschuss; BA Kulturstätten; FA Kultur

„Frauenförderung in städtischen Unternehmen“ lautete ein Antrag der Grünen, den der Stadtrat gegen die Stimmen der CDU beschlossen hat. Stadträtin Andrea Niermann begründete unsere Ablehnung:

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren Beigeordnete, liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Gäste, liebe Frauen

 

Und wieder einmal geht es um Frauenförderung.

 

Dem Mainstream entsprechend sollen nach diesem Antrag der Grünen die Beteiligungsunternehmen der LVV-Gruppe, die LWB GmbH und die Sankt Georg gGmbH verpflichtet werden, zukünftig Frauenförderpläne aufzulegen, eine Frauenbeauftragte im Unternehmen etablieren und über die Umsetzung jährlich zu berichten.

 

Meine Damen, liebe Kolleginnen, meine Fraktion und ich können dieser Vorlage nicht zustimmen. Ich könnte an dieser Stelle einfach auf den Verwaltungsstandpunkt verweisen… der Antrag hat aber durchaus grundsätzliche Bedeutung und deshalb möchte ich unseren Standpunkt hier kurz begründen.

 

Ich beginne mit dem aus meiner Sicht stärksten Argument gegen diese Vorlage:

 

Frauenförderpläne, wie sie hier beantragt sind, führen – davon bin ich überzeugt –  nicht zum gewünschten Erfolg. Für Gleichheit, für Gerechtigkeit und vor allem dafür dass wir zukünftig (noch) mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, werden solche Frauenförderpläne nicht sorgen. Das zeigt schon ein Blick auf die Zahlen der einzelnen städtischen Unternehmen: Schauen Sie sich die Zahlen in der LWB GmbH und im Klinikum St. Georg gGmbH an: Sowohl in der LWB als auch im LWB-Konzern beträgt der Frauenanteil an der Mitarbeiterschaft derzeit 53 %. In den Führungspositionen beträgt der Frauenanteil sowohl in der LWB als auch im LWB-Konzern aktuell 43 %. Der LWB stehen, wie Sie alle wissen, zwei Geschäftsführerinnen vor. Noch deutlicher wird das Bild im Klinikum St. Georg gGmbH: Hier ist der Anteil von Frauen sehr hoch und liegt bei knapp 80 %. Dieser variiert abhängig von den Dienstarten In den klinischen Bereichen zwischen 55-90 %.  Auch hier wird die Verwaltung von einer Frau, Frau Dr. Minde, angeführt.

 

Warum meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen ist das so? Warum gibt es hier so viele Frauen – auch in den Führungsetagen?

 

Sicher nicht, weil diese Unternehmen schon mit Frauenförderungsplänen arbeiten. Sondern deshalb, weil es viele Frauen gibt, die diese Jobs machen können und – vor allem – machen wollen. Der Frauenanteil in Wohnungsunternehmen, im Gesundheitswesen und in Personalverwaltungen ist nicht nur in Leipzig sehr gut. Das, meine Damen und Herren, liegt daran, dass viele junge Frauen sich gerade in solchen Sparten ausbilden lassen, dass sie sich hier Jobs auch in den Führungsetagen zutrauen. Hier müssen wir, hier muss die Gesellschaft ansetzen: In der Familie, in der Schule und in der gesellschaftlichen Bildung. Mädchen müssen für andere Berufe, für Jobs in den sog. MINT-Fächern begeistert und geworben werden. Und sie müssen darin bestärken werden, sich Führungspositionen in anderen als in den bisher bei Frauen sehr beliebten Sparten zutrauen und sich darauf auch bewerben. Frauenförderpläne helfen da nicht. Wir brauchen, liebe Kollegen und Kolleginnen, hier eine nachhaltigere Herangehensweise.

 

Das zweite Argument gegen die Verpflichtung zu Frauenförderplänen in den städtischen Unternehmen wiegt, liebe Kolleginnen und Kollegen, für mich mindestens genau so schwer.

 Ich kann dieser Vorlage nicht zustimmen, weil ich davon überzeugt bin, dass Frauenförderungen dieser Art – ebenso wie die vielerorts diskutierte und auch schon umgesetzte Frauen-Quote – jedenfalls langfristig zu einer Ungleichbehandlung von Männern und Frauen führen wird.

 

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch:

Es war richtig und wichtig, meine Damen und Herren, dass unsere Großmütter, unsere Mütter und auch viele Frauen unserer Generation sich in den vergangenen Jahrzehnten ganz im Sinne von Art. 3 Abs. 2 unseres Grundgesetzes für die  Gleichbehandlung eingesetzt haben. Meine Schwiegermutter zum Beispiel hat in den 70iger Jahren als aktives Mitglied der Frauenunion im ländlichen Westfalen – wie so viele andere anderswo –  Pionierarbeit geleistet und für die wirkliche Gleichberechtigung der Frauen gekämpft.

 

Es wurde seitdem vieles erreicht.

Nun aber ist aus meiner Sicht Vorsicht und Augenmaß erforderlich, damit wir nicht genau das Gegenteil dessen erreichen, was wir wollen – und damit am Ende auch uns Frauen Schäden…..Ich zitiere an dieser Stelle an dieser Stelle Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes:

 

Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seine Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

 

Und ich frage Sie

Wie häufig haben Sie schon gehört

Die Frau ist eine Quotenfrau. Sie säße da nicht, wäre sie keine Frau.

Und kam es schon vor, dass ein Mann Ihnen sagte

„Den Job habe ich nicht bekommen, die suchten eine Frau.“ Oder : „Sobald sich da eine Frau bewirbt, habe ich keine Chance.“ 

 

Meine Damen und Herren, liebe Kollegen, diese Entwicklung müssen kritisch betrachten. Sie ist nicht gut für Männer und auch nicht gut für uns Frauen. Wer will schon gerne eine „Quotilde“ sein? Ich jedenfalls nicht.

 

Unsere städtischen Unternehmen sind verpflichtet, jeden einzelnen Mitarbeiter, egal ob Mann oder Frau,  vorurteilsfrei zu unterstützen und seine besonderen Stärken zu erkennen und zu entfalten. Genau so muss es sein.

 

Nicht Frauen  gezielt fördern, sondern sie gleichberechtigt zu behandeln …..darum muss es uns gehen.

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.