Skala-Debatte im Stadtrat am 25.02.

Redebeitrag von Andrea Niermann, Stv. Fraktionsvorsitzende

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr gehrte Herren Beigeordnete und Frau Dubrau, liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Gäste,

gestern bat mich der Lokal-Sender der Uni Leipzig Mephisto 97,6, um ein Telefoninterview, das ich gern gegeben habe. Der engagierte junge  Mann fragte mich, ob nicht das traditionsreiche Theaterhaus Skala auf jeden Fall erhalten werden müsse. Er habe gehört, die CDU-Fraktion sei für einen Verkauf.

Ich habe geantwortet, dass wir es nach langen Diskussionen unterstützen,  die Zweitspielstätte des Schauspielhauses zu erhalten. Den hierzu geplanten Umbau der ehemaligen Diskothek „Schauhaus“ zur Zweitspielstätte – die kostenoptimierte Basisvariante – werden wir mittragen, wenn – und dies ist für uns unabdingbar – die Skala zum Verkehrswert – das sind hier nach vorläufigem Wertgutachten mindestens 860.000 € –  verkauft  und der Erlös  zur teilweisen Refinanzierung verwendet wird.

Der junge Mann erwiderte, die Mittel zum Erhalt der Skala als Kulturstätte seien doch nun da, weil – wie ihm auch Frau Dr. Jennicke versichert habe – der Umbau der Zweitstätte „Schauhaus“ in der Basisvariante nur ca. 4,9 Millionen € und nicht mehr 6 Millionen € koste.

Liebe Frau Dr. Jennicke, liebe Kollegen und Kolleginnen von den Grünen und den Linken,
das ist – mit Verlaub – eine Milchmädchen-Rechnung.

Wir erinnern uns: Im Jahr 2012 musste die Skala den Spielbetrieb aufgrund des schlechten baulichen Zustandes einstellen. Der bauliche Zustand hat sich nicht geändert. Behält die Stadt das Anwesen in der Gottschedstraße 16, werden in nächster Zeit Instandhaltungsmaßnahmen von mindestens 4,95 Millionen € fällig – die Teil aus dem Stadtsäckel zu zahlen sein werden, wenn das Haus nicht zeitnah verkauft werden kann. Und nun frage ich Sie: Welcher Investor kauft ein solches Haus mit der Hypothek einer kulturellen Weiternutzung?!  Wer soll ein solches Haus pachten ohne die Erwartung einer dauerhaften Subventionierung durch die Stadt??

Es bleibt bei dem, was unser Fraktionsvorsitzender bereits in seiner Haushaltsrede ausgeführt hat:

Die teilweise Refinanzierung  des Ausbaus der Zweitspielstätte „Schauhaus“ durch den Erlös eines Verkaufs der Skala zum Verkehrswert (nach Kurzgutachten 860.000,- €) war und bleibt zwingende Voraussetzung für die Zustimmung der CDU-Fraktion zum  Ausbau der Zweitspielstätte „Schauhaus“. deshalb werden wir gegen diesen Antrag, die dauerhafte kulturelle Nutzung der Skala zwingend festzuschreiben stimmen. Auch den vermittelnden Vorschlag der Verwaltung werden wir ablehnen.

Dabei will ich gar nicht verhehlen, dass ich mir in der Skala gut ein weiters Kino mit drei Sälen vorstellen könnte. Das muss aber ein privates Kino sein mit einem privaten Investor. Und er muss den Verkehrswert zahlen und für den Umbau bzw. die Sanierungskosten tragen. Vielleicht findet sich ein solcher Investor.

Mit der Festschreibung einer kulturellen Nutzung würde jedenfalls faktisch eine neue durch die Stadt subventionierte Spielstätte, Kulturstätte  oder wie auch immer Sie das, was dort entstehen soll, nennen wollen, errichtet.  Die Stadt Leipzig kann sich das in ihrer derzeitigen Finanzsituation nicht leisten.