Leipziger Jubiläen des Jahres 2016

Rede von Stadtrat Michael Weickert in der Ratssitzung am 20.05.2015

Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren, verehrte Gäste!

Wenn man nach der Herkunft des Wortes „Jubiläum“ schaut, dann hilft der Blick in ein handelsübliches Lateinwörterbuch. „Annus jubilaeus“ bedeutet nämlich nichts anderes als Jubeljahr.

Wir wollen nächstes Jahr als Stadt dem 100. Todestag Max Regers sowie dem 300. Todestag Gottfried Wilhelm Leibniz erinnern. Es mutet daher allein vom Begriff her zunächst ersteinmal merkwürdig an, wenn wir angesichts zweier Todestage jubilieren. Doch ist dies hier nur eine sprachliche Petitesse.
Rein inhaltlich gibt es weder etwas gegen Reger noch gegen Leibniz, einen der letzten großen Universalgelehrten einzuwenden. Wir haben uns heute ja bereits ausführlich wieder mit dem Thema Erinnerungskultur und wie wir sie gestalten auseinandergesetzt.
Dennoch bietet diese Vorlage als solche keinerlei Grund zu jubeln und ich werde im Folgenden auch erläutern, warum wir als Unionsfraktion diese Vorlage ablehnen werden.

Ein gewichtiger finanzieller Punkt ist das Reformationsjubiläum in 2017. Wittenberg erwartet hier über eine Million Gläubige aus aller Welt und Leipzig soll der zentrale Ankunftsort für internationale Gäste werden. So weit, so gut. Meine Fraktion sieht allerdings hier überhaupt kein Konzept, wie wir Touristenströmen dieser Größe Herr werden wollen, beziehungsweise, warum internationale Gäste ausgerechnet über Leipzig nach Wittenberg reisen sollen. Daß wir, zurecht, von der Großartigkeit unserer Stadt überzeugt sind, steht außer Frage.

Ein Punkt ist für den geneigten Leser dieser Vorlage besonders auffällig, der „Spirituelle Tourismus“. Die Herzen evangelischer Religionslehrer schlagen hier höher, meine Damen und Herren. Zwar haben wir, auf mehrmalige Nachfrage, eine Aufstellung der Kosten, insbesondere der 65.000,- für die Werbekampagne für oben genanntes Projekt, erhalten, doch möchte ich auch für meine Fraktion einmal betonen, daß dieses für eine halbe Milliarde Menschen so zentrale und einmalige Ereignis, äußerst dilettantisch von uns bisher vermarktet oder auch nur geplant wurde.

Es gibt, meine Damen und Herren, daher zwei wesentliche Punkte, warum wir diese Vorlage heute ablehnen werden:
1. Diese Vorlage hat in ihrer ersten Fassung vor Fehlern nur so gestrotzt. Sie war schlampig erarbeitet, mit teils groben inhaltlichen Fehlern. So war Herr Biller immer noch Thomaskantor und der Thesenanschlag habe auch erst 1519 stattgefunden. Mit solchen Vorlagen, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, schüren wir nur das Mißtrauen in unsere politische Arbeit. Ich muß mich ehrlich fragen, wie solche Vorlagen die DB des Oberbürgermeisters verlassen können.
2. Es ist für uns nicht ersichtlich, warum der LTM hier erneut Geld erhalten soll. Diese Vorlage zeigt mehr als deutlich, daß hier sehr wohl Handlungsbedarf in der Kontrolle öffentlicher Gelder besteht. Eine wirklich leistungsfähige Marketinggesellschaft für unser Tourismusangebot scheint angesichts des verschlafenen Reformationsjubiläums jedenfalls mehr als überfällig.

Meine Damen und Herren, Sie haben eben richtig gehört. Das Reformationsjubiläum ist aus unserer Sicht bereits jetzt verschlafen, angesichts der hehren Ansprüche, die wir uns auferlegen. Wir werden mit kritischem Blick die Ausgaben um die Jubiläen kontrollieren, wenn diese Vorlage eine Mehrheit findet.

Dies ist keine Drohung, sondern ein ernst gemeintes Versprechen.