Sabine Heymann zur Zukunft des Wilhelm-Leuschner-Platzes

Verlässlichkeit und Berechenbarkeit sind Voraussetzung für eine nachhaltig wachsende Stadt

Die CDU-Fraktion hatte sich mit Beginn der Diskussion um die Fortführung der des Bebauungsplanverfahrens zum Wilhelm-Leuschner-Platz schon im März dieses Jahres eingebracht. Unsere Anregungen erkennen wir zum Teil in den aktuell zu Diskussion stehenden Leitlinien wieder. Durch unsere Intervention spricht man nicht mehr von einem großen Platz sondern von einem Stadtraum, auf dem vieles möglich sein soll. Auch ist eine geringfügige Bebauung des Platzes, neben der bekannten Bebauung der Ostseite, möglich geworden.

Es mag so mancher nach der heutigen Diskussion monieren, warum wir denn nicht auf jede Idee und jeden Wunsch eingegangen sind. Natürlich zollen wir all denen Achtung, die Zeit und Wissen dafür eingesetzt haben, einem der wichtigsten Stadträume im Zentrum von Leipzig städtebaulich und architektonisch Bedeutung beizumessen. Doch als Stadträte sind wir für eine Abwägung verantwortlich, inwieweit die Potenziale auch wirklich umsetzbar sind. Wir können nicht auf etwas bauen, was technisch möglich aber rechtlich und wirtschaftlich kaum oder nie umsetzbar ist. Ja man kann den Tunnel überbauen, doch selbst in München ist man wirtschaftlich nicht in der Lage, vergleichbare Projekte umzusetzen. Auch wird die Bahn das Eingangsbauwerk, egal wie es uns gefällt, kaum unter einem anderen Bauwerk verstecken wollen. Darum hat sich die CDU-Fraktion dazu entschlossen, dem Wilhelm-Leuschner-Platz sowie den interessierten Investoren und Nutzern jetzt eine Chance zu geben und nicht in unabsehbarer Zukunft.

Die Diskussion mit den interessierten Architekten, dem Träger des Ergebnisses der damaligen Städtebauwerkstatt als auch mit potenziellen Investoren und Nutzern bestätigen, dass im Platz noch mehr Potenzial steckt. Mit unseren Vorschlägen zur Korrektur der Leitlinien wollen wir Vielfalt nicht nur für den künftigen Platzraum sondern auch für die künftige Bebauung fördern.

Zu unserem Änderungsantrag:

In Ausschöpfung der Rahmenbedingungen des jetzigen Entwurfes wird die Möglichkeit der Verschwenkung der verlängerten Leplaystraße gefordert. So kann ein zusätzlicher Platz entstehen, der aus dem neuen Stadtviertel wirklich ein Viertel mit eigenem Platz, eigener guter Stube, macht. Es soll möglich sein, dass die einzig leicht bebaubaren Grundstücke auf dem Platz durchaus auch von privater Hand bebaut werden können, soweit sich diese Gebäude in die öffentliche Nutzung einfügen. Rahmen gebend dafür ist dann der noch durchzuführende Wettbewerb, in dem ausdrücklich auch dem Königsplatz, in seiner früheren Ausformung, eine Chance gegeben werden soll.

Nun kurz zu den Änderungsanträgen anderer Fraktionen:

Herr Weber, wir hoffen, dass ein B-Plan nicht dazu genutzt wird genau festzulegen, wo und wie Unternehmen sich niederlassen. Nichts anderes würde es bedeuten, wenn Dritte, die nicht das unternehmerische Risiko tragen, festlegen, wo genau eine Markthalle zu errichten ist. Auch in einem Workshop Parzellierungen für den Verkauf der städtischen Grundstücke festzulegen kann haarscharf an wirtschaftlich sinnvollen Größen vorbeigehen. Die Eckbebauung „Katharinum“ am Bildermuseum hat es gezeigt, dass Private das Wort „Kleinteiligkeit“ sehr gut interpretieren können.

Sehr geehrte Fraktionen DIE LINKE und Bündnis 90 – Die Grünen: Eigentlich haben wir ja schon den Ratsbeschluss, dass künftig städtische Grundstücke im Rahmen einer Konzeptvergabe vermarktet werden sollen. Doch bevor das dazu immer noch nicht vorliegende Verfahren … einer Umsetzung des hoffentlich bald vorliegenden B-Planes im Wege steht … sind wir bereit, uns an einer solchen Arbeitsgruppe beispielhaft für weitere anstehende Verkäufe zu beteiligen, soweit sich diese im gesetzlichen Rahmen bewegt.

Liebe Freunde der SPD: Ihr Antrag ist so gar nicht nachvollziehbar.
Hotelnutzung wollen Sie ausschließen
Wohnungsnutzung ebenfalls einschränken
in die Wirtschaftlichkeit der Markthallenerrichtung wollen Sie eingreifen
preiswerten Wohnraum wollen sie, doch gleichzeitig sollen Dächer errichtet werden, die Landwirtschaft auf dem Dach möglich machen?
Diese Quadratur des Kreises wollen wir nicht in einem B-Plan festgesetzt haben. Einzig Ihrer Würdigung des Königsplatzes könnten wir uns ansatzweise anschließen.

Sehr geehrter Herr Grosser: Ihr Bemühen um Vergleich in allen Ehren, doch „Jedem recht getan ist eine Kunst die niemand kann“ – auch nicht Sie. Man kann nicht einerseits Festsetzungen machen und andererseits wieder alles fast auf Null setzen.

Liebe Frau Gabelmann: Ihr Antrag ist grundsätzlich sympathisch, haben wir doch auch in unserem Antrag in Teilen auf die alten Grundmauern abgehoben. Aber ich mag mir nicht vorstellen, wie ein Forschungszentrum oder Firmensitz mit der damaligen recht kleinteiligen Bebauung zu Recht kommen soll.

Sehr geehrte Herren Hobusch und Morlock: Sie begründen Ihren Antrag mit der geänderten Sachlage. Doch was hat sich geändert? Ja, Leipzig wächst stärker als angenommen. Doch auch 2010 ging man schon von Wachstum aus. Soll das aber wirklich bedeuten, dass das Wachstum nur auf das Zentrum konzentriert werden soll? Sicher war damals das Freiheits- und Einheitsdenkmal noch im Spiel. Doch den Königsplatz wollen wir ja weiterhin nicht bebauen. Der Citytunnel war damals und heute nur unter sehr speziellen Voraussetzungen bebaubar.

Leipzig wächst, doch dieses Wachstum darf nicht bedeuten, dass wir unsere Verlässlichkeit gegenüber interessierten Nutzern, Investoren und der Öffentlichkeit aufgeben. Leipzig wächst sowohl im Zentrum als auch in all seinen Stadtteilen. Nur durch eine sinnvolle Verteilung der Chancen und Herausforderungen des Wachstums über ganz Leipzig können wir Platz zum Wohnen, Arbeiten und Leben gleicher Maßen schaffen.