„Pay-what-you-want“-Day für Leipzigs Museen

Rede von Stadtrat Nils Oberstadt in der Ratsversammlung am 24.02.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, sehr geehrte Bürgermeister, liebe Stadträtinnen und Stadträte, werte Gäste, die Einführung eines „Zahlen-Sie-was-Sie-wollen“-Tages oder „Pay-what-you-want“-Days ist ein zunehmend beliebtes Konzept in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen. Man findet weltweit Museen, Zoos, Restaurants und andere öffentliche Einrichtungen, die einen solchen Tag vorübergehend oder dauerhaft in ihr Programm aufgenommen haben. Eines der berühmtesten Beispiele ist wahrscheinlich die Veröffentlichung des Albums „In Rainbows“ der amerikanischen Band „Radiohead“, die es vollständig ihren Hörern überließen, einen frei gewählten Betrag für den Download zu zahlen. Auch im kulturellen Bereich wurde diese Art der Eintrittszahlungen bereits angewandt. So gab es „Pay-what-you-want“-Tage in Deutschland etwa im Münsteraner Zoo, dem Freilichtmuseum Hagen und der Bremer Weserburg. Die Veranstalter waren in allen Fällen außerordentlich zufrieden mit den erzielten Erfolgen. Sowohl Einnahmen als auch Besucherzahlen übertrafen die Erwartungen. Doch sind diese Ergebnisse differenziert zu betrachten: Radiohead beispielsweise erzielte pro Download Einnahmen von $ 2,26. Dass sie es trotzdem als Erfolg werteten, lag zum einen an der deutlich höheren Absatzzahl, aber auch am Wegfall von Vertriebskosten über den von ihnen gewählten Verbreitungsweg. Der Münsteraner Zoo testete den „Zahlen-Sie-was-Sie-wollen“-Tag im umsatzschwachen, besucherarmen Dezember. Die erzielten Einnahmen übertrafen in diesem Fall die Erwarteten um das 2,5fache. Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Mehrwert eines solchen Tages nicht nur in den finanziellen, messbaren Parametern zu finden ist, sondern in einem Wechselspiel aus dem Event-Charakter, dem generellen Werbeeffekt und dem kurzzeitig gesteigerten Besucheraufkommen. Dies belegen auch wissenschaftliche Erhebungen zu diesem Thema. Obwohl es noch an langfristig belastbaren Zahlen fehlt, lassen die bisherigen Ergebnisse darauf schließen, dass sich dieses Modell besonders zur kurzzeitigen Einführung bei gleichzeitig hohen nicht variablen und besucherunabhängigen Fixkosten und großen ungenutzten Kapazitäten lohnen kann. Die Kombination aus den benötigten Variablen lässt sich insbesondere in Zoos und Museen finden. Hinsichtlich der bereits beschriebenen bestehenden Unsicherheiten und der finanziellen Verantwortlichkeit für unsere Museen sind wir der Meinung, dass die Einführung eines solchen Tages in den Leipziger Kulturstätten genau geprüft werden sollte. Aus unserer Sicht bietet der bisherige kostenfreie Mittwoch aufgrund der erwarteten Null-Einnahmen den idealen Referenzpunkt, um dieses neue Modell zu testen. Die ausgewählten Kulturstätten haben bei Misslingen nicht mit einem weiteren umsatzlosen Tag zu kämpfen, sondern haben die zu erwartenden Risiken bereits in den Kalkulationen zum eintrittsfreien Mittwoch berücksichtigt. Um dieses Konzept längerfristig in Leipzig etablieren zu können, bedarf es zudem neben der Auswertung der finanziellen Effekte auch einer aussagekräftigen Umfrage. Auch sollte bis dahin überlegt werden, wie man diejenigen Zielgruppen erreicht, die weder durch einen eintrittsfreien Mittwoch noch durch einen preisflexiblen Tag zum Besuch der städtischen Kulturbetriebe animiert werden. Diese sind durch eine einfache „Besuchererforschung“ nicht zu erreichen; liefern aber sicher wertvolle Anregungen zur weiteren Attraktivitätssteigerung der Leipziger Kulturlandschaft. Eine solche Umfrage ist jedoch angesichts der knappen Haushaltssituation und der umfangreichen Planung erst im Jahr 2017 im benötigten Umfang realisierbar, um die gewünschten Ergebnisse garantieren zu können. Weswegen wir um Ihre Zustimmung für unseren Änderungsantrag werben möchten.