„Wir bekommen den Besten“

Rede von Stadträtin Andrea Niermann zur Wahl des neuen Thomaskantors im Leipziger Stadtrat am 09.06.2016

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Herren Beigeordnete, sehr geehrte Frau Dubrau, liebe Kollegen und Kolleginnen, lieber Herr Schwarz und liebe Gäste,

Ja, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr….So könnte es auch hier gewesen sein.

Ich persönlich, und ich darf hier auch im Namen meiner Fraktion sprechen, bin davon überzeugt:

Mit Ihnen, mit Gotthold Schwarz, bekommen wir den besten, den es – jedenfalls zur Zeit – für das Amt des Thomaskantors gibt. Sie haben eine hervorragende Ausbildung als Kirchenmusiker, Sänger, Chorleiter und Pädagoge genossen und kennen den Thomanerchor  als Stimmbildner seit Jahrzehnten. Und Sie waren immer da, wenn „Not am Mann“ war.

Aus meiner langjährigen Zeit als Elternsprecherin der Thomasschule und als Vorstandsmitglied des Thomanerbundes e.V. weiß ich, dass es seit den 2000er Jahren im Chor infolge der längeren krankheitsbedingten Ausfälle von Prof. Biller häufig Engpässe gab. Sie waren dann immer zur Stelle, um als Interimskantor einzuspringen. Auf Sie war Verlass, die Knaben lieben und respektieren Sie, die Lehrer und Lehrerinnen der Thomasschule schätzen Ihre pädagogischen Fähigkeiten und allgemein gibt es in der Kirchenmusikwelt – soweit mir bekannt -niemanden, der Sie nicht für geeignet und befähigt hält, das Amt des Thomaskantors in hervorragender Weise auszuführen.

Herr Schwarz, kurz gesagt, wir freuen uns sehr, Sie heute hier als Thomaskantor berufen zu können.

Die Frage, die wir, Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, uns aber ernsthaft stellen müssen, ist, warum es eines über einjährigen Findungsverfahrens bedurfte, um zu diesem – für mich absolut naheliegendem – Ergebnis zu kommen. Haben wir Fehler bei der Findung gemacht? Welche? War das Verfahren geeignet? War die Auswahlkommission richtig besetzt? Oder müssen wir uns sogar mit der – soweit ich weiß unter Knabenchören einmaligen – Struktur des Thomanerchores kritisch auseinander setzen? Was können wir bei nächsten Mal anders, besser, machen? Hier darf es meiner Meinung nach keine Denkverbote geben. Der seit Jahrhunderten städtische Thomanerchor ist in seiner Verbindung zur Thomaskirche und zur Thomasschule – aber auch in seiner Pflege der Bachmusik – weltweit einmalig. Er ist eines der Alleinstellungsmerkmale der Stadt Leipzig. Als Stadträte sind wir für seinen Fortbestand und seine Qualität in besonderer Weise  verantwortlich. Deshalb – davon bin ich, liebe Kollegen und Kolleginnen, überzeugt – muss das nächste Findungsverfahren anders laufen, als das, welches wir gerade hinter uns haben.

Wir erinneren uns: Am 13. April des vergangenen Jahres traf sich die 13-köpfige Findungskommission zur Findung eines neuen Thomaskantors zum ersten Mal. Was dann folgte wurde in der örtlichen, aber auch in der überörtlichen Presse ausführlich besprochen und  kommentiert. Ich erspare Ihnen eine nochmalige Dokumentation des über ein Jahr lang dauernden Auswahlverfahrens an dieser Stelle. Es liegt auf der Hand, dass dieses Verfahren viel Kraft, Zeit und natürlich auch Geld gekostet hat: Kraft und Zeit der Bewerber, der Thomasser, der Verwaltung, der Mitglieder der vierköpfigen Auswahlkommission und der Findungskommission. Verschweigen will ich nicht, dass durch das Verfahren – ob verschuldet oder nicht – unserer Ruf als Stadt Leipzig gelitten hat.

In einigen Jahren werden wir erneut einen Thomaskantor – für die Zeit nach dem 30. Juni 2021 – suchen müssen.

Meine Damen und Herren, schon morgen müssen wir beginnen, uns Gedanken über das nächste Findungsverfahren zu machen. Wer ist wie zu beteiligen? Kann der Chor bleiben wie er ist? Oder müssen wir etwas verändern, um seinen Bestand zu sichern?

Nutzen wir, liebe Kollegen und Kolleginnen, die Chance, die sich uns heute ergibt: Der neue Thomaskantor kann und muss meiner Meinung nach aktiv an der Auswahl seines Nachfolgers beteiligt werden. Gotthold Schwarz kennt den Chor bestens, er war aber niemals Mitglied des Chors und wird nach Beendigung seiner Amtszeit in jeder Hinsicht unbefangen sein.  Deshalb bringt Herr Schwarz die meiner Meinung nach für einen klaren Blick erforderliche Distanz bei der Auswahl seines Nachfolgers mit.

Ich schließe, indem ich mich wieder direkt an Sie, Herr Schwarz, wende:  Ich wünsche Ihnen – auch im Namen aller Mitglieder der CDU-Fraktion – gutes Gelingen, weiterhin viel Freude und Gottes Segen als Thomaskantor.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.