Für die Ehrung von Kurt Masur brauchen wir Leipziger keine Experten

Benennung einer Straße bzw. eines Platzes nach Kurt Masur – Rede von Stadträtin Andrea Niermann in der Ratsversammlung am 24.08.2016

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren Beigeordnete, liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Gäste auf der Tribüne und im Livestream,

Kurt Masur hat sich um Leipzig – im wahrsten Sinne des Wortes – verdient gemacht.

Er hat als Gewandhauskapellmeister das musikalische und gesellschaftliche Leben Leipzigs maßgeblich geprägt. Unter seiner Leitung konnte sich das Gewandhausorchester schon zu DDR-Zeiten zu einer einzigartigen und unverwechselbaren musikalischen Adresse weiterentwickeln.

Kurt Masur hat maßgeblich zum weltweiten Ruf des Gewandhausorchesters als eines der Besten beigetragen. Ihm verdanken wir unser Neues Gewandhaus mit seiner ausgezeichneten Akustik. Der Bau des 1981 fertig gestellten Neuen Gewandhauses am Augustusplatz wäre – da werden mir die Kenner der damaligen Situation Recht geben – ohne sein beharrliches Engagement nicht vorstellbar gewesen.

Doch damit nicht genug:

Gerade hier in Leipzig, aber auch Deutschland-, ja weltweit sind seine Verdienste um die Friedlichkeit der Revolution von 1989 unvergessen.

Kurt Masur ist eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit, die es verdient hat, in Leipzig mit einem Straßennamen an prominenter Stelle gewürdigt zu werden.

Mit dieser Würdigung, meine Damen und Herren, sollte Leipzig unserer Meinung nach nicht zu lange warten. Deshalb haben wir im Mai dieses Jahres einen entsprechenden Antrag gestellt, der nun heute in leicht veränderter Form zur Entscheidung ansteht.

Der Verwaltungsstandpunkt zu unserem Antrag – „Ablehnung da bereits Verwaltungshandeln“ – hat uns erstaunt und, ich gebe es zu, auch ziemlich verärgert. Zur Begründung wird dort nämlich ausgeführt:

„….. Zur Erörterung möglicher Ehrungsformeln hat die Stadtverwaltung unter Federführung des Dezernats Kultur und unter Einbeziehung externer Kulturexperten bereits einen Prozess initiiert, um einen Vorschlag zu erarbeiten, wie Kurt Masurs Lebenswerk auf angemessene Weise gewürdigt und sein öffentliches Andenken erhalten werden kann. Der Vorschlag soll zu einem Zeitpunkt vorgelegt werden, der eine Ehrung kurz vor Masurs 90. Geburtstag am 18. Juli 2017 ermöglicht. Der Inhalt des Antrages ist somit bereits Verwaltungshandeln, wobei er zu erarbeitende Vorschlag gegebenenfalls über die Benennung einer Straße oder eines Platzes hinausreichen kann.“

„Externer Kulturexperten“ sollen gefragt werden – oder wurden vielleicht schon gefragt, wie man Kurt Masur in Leipzig am besten ehrt?

Welche Kulturexperten sind denn das?

Warum wissen die besser, als wir Leipziger, wie man Kurt Masur am besten ehrt?

Wie genau sieht denn der bereits initiierte Prozess aus? Hat der Kulturausschuss in diesem Verfahren nicht ein Wörtchen mitzureden?

Vielleicht, meine Damen und Herren,  sollte die Verwaltung in dieser Frage Kulturexperten aus den Vereinigten Staaten hinzuziehen, am Besten aus White Plains im dortigen Bundesstaat New York: Dort wurde nämlich bereits im Juni dieses Jahres eine Straße nach Kurt Masur benannt.

Und wir Leipziger sollen wirklich noch bis zum 18. Juli 2017 auf einen Vorschlag warten?

Diesen Verwaltungsstandpunkt finde ich persönlich ziemlich peinlich …..

Liebe Kollegen und Kolleginnen,
uns geht es mit unserem Antrag darum, dass
überhaupt     und
möglichst bald
über die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach Kurt Masur entschieden wird. Wir wollen nicht noch bis nächstens Jahr auf einen möglicherweise entsprechenden Vorschlag der Verwaltung  warten.

Daher bitte ich Sie: Stimmen Sie unserem Antrag zu.