Ja zur Schwimmhalle im Leipziger Osten – Nein zu diesem Standort

Stadtrat Jens Lehmann in der Ratsdebatte zum Schwimmhallenneubau auf dem Otto-Runki-Platz

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,

unsere Fraktion begrüßt ausdrücklich den Bau einer neuen Schwimmhalle im Leipziger Osten, einem Gebiet mit deutlicher Unterversorgung an Städtischen Schwimmflächen. Allerdings sehen wir in einer frühzeitigen Beteiligung des Stadtrates etwas anderes, als das bloße Abnicken eines von der Verwaltung als alternativlos dargestellten Standortes! Wir werden dieser Vorlage nicht zustimmen, da unserer Meinung nach, entscheidende  Dinge dagegen sprechen:

Angefangen von der Beseitigung einer uns wichtigen, und mit vielen Fördermitteln erstellten, Grünfläche bis hin zur Lage, die doch eher im Stadtzentrum als im Leipziger Osten liegt. Gerade die Bürger der eingemeindeten Ortsteile haben sich weniger eine Schwimmhalle vorgestellt, welche sich in unmittelbarer Nähe zur Schwimmhalle Nordost befindet, sondern eine, die auch für sie gut zu erreichen ist. Ich finde es schade, dass beispielsweise die Feuerwache Ost in der Theodor-Neubauer-Straße, welche neben Platz für eine Schwimmhalle auch großes Potenzial zur Entwicklung  eines Soziokulturellen Zentrums im Osten bietet, nicht in Betracht kommt. Bei diesem Standort reicht die Fantasie der Stadtverwaltung aber leider nur bis zur Nutzung  als Lagerfläche der Stadtreinigung. Da ich viele Jahre dort gewohnt habe und die Verkehrsanbindung sehr gut kenne, widerspreche ich auch ausdrücklich dem Argument einer schlechten ÖPNV Anbindung. Auch von vielen Schulen, inklusive des neuen Campus‘ in der Ihmelsstraße, ist der Standort fußläufig gut zu erreichen.

Für mich stellt sich auch die Frage, warum uns nicht die Grundstücke vorgeschlagen wurden, die

–          voll erschlossen sind,

–          über eine sehr gute ÖPNV Anbindung verfügen,

–          viele Schulen in der Nachbarschaft  haben,

–          mit 6000 qm die entsprechende Größe besitzen und

–          die von der Stadt Leipzig regelmäßig, unter anderem in der LVZ,  zum Verkauf angeboten werden.

Solch ein Grundstück befindet sich beispielsweise in der Edisonstraße in Engelsdorf.

Was wir allerdings noch kritischer als den Standort am Otto-Runki-Platz  sehen, sind die Änderungsanträge, die wir beide ablehnen. Zu diesen Anträgen passt ein amerikanisches Sprichwort, welches lautet: „Wenn du nicht willst, dass der Truthahn fliegt, mach ihn fetter.“ Gerade meine Aufsichtsratskollegen, Herr Schmidt und Herr Zenker, kennen den finanziellen Spielraum und die Meinung der Geschäftsführung der Sportbäder GmbH  zum  Schwimmhallenneubau sehr gut und ich hätte mir hier schon etwas mehr Realismus gewünscht.

Mein Damen und Herren,  ich möchte nun dem einen oder anderen von Ihnen vorgreifen und es selbst sagen,   ja:  ich befinde mich im langfristigen Bundestagswahlkampf und auch deshalb habe ich kurzzeitig überlegt, ob ich nicht in einem ersten Akt beantragen sollte, alle Probleme Leipzigs mit dem Bau der neuen Schwimmhalle zu lösen und so den Truthahn richtig fett zu machen: im Keller 80 Garagenstellplätze als Ersatz für den Abriss des Garagenhofs in der Ihmelsstraße und in den oberen Etagen Räume für das Sportmuseum. Aber ich bin ein Realist und möchte, dass der Truthahn fliegt, wir also eine neue Schwimmhalle bekommen und zwar so schnell, wie möglich. Und unsere Fraktion kann trotz Ablehnung selbstverständlich mit einer einfachen Schwimmhalle am vorgeschlagenen Standort deutlich besser leben, als mit Plänen eines Wolkenkuckucksheims im Büro von Frau Dubrau.

Danke!