Leipzig wächst! Und das ist gut so!

Stadträtin Sabine Heymann zum CDU-Antrag „Stärkung der Eigenentwicklung der neuen Ortsteile – Leipzig soll gleichmäßig wachsen !“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren Bürgermeister,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Stadträte,
sehr geehrte Gäste auf der Tribüne und im Livestream,

 

es war einmal eine schrumpfende Stadt Leipzig. Um uns herum wurden neue Baugebiete eröffnet. Wir hatten das Gefühl, dass alle Nachbarn auf unsere Kosten wuchsen. Was war die Reaktion in Leipzig darauf? Man schuf die „perforierte Stadt“. „Dunkler Wald“, „Lichter Hain“ und gar ein „Wildgehege“ am Hauptbahnhof sollten die Lücken füllen. Es fehlte nicht viel und wir hätten das Weihnachtsgedicht „Drauß´ vom Walde, da komm ich hier“ umdichten können, denn der Wald wäre mitten in der Stadt gestanden.

Doch seit geraumer Zeit kann man fast der Meinung sein, dass diese Geschehnisse und Ideen bald schon dem Bereich der Mythen und Märchen zuzuordnen sind. Leipzig ist auf dem Wachstumskurs. Das belegt auch der vorliegende statistische Bericht zum dritten Quartal. Ende September verzeichnete das Melderegister 575.979 Einwohner ‒ 15.332 mehr als ein Jahr zuvor. Die Prognosen, abhängig davon wer sie macht, erwarten gar, dass wir den Spitzenwert von 1930 mit 712.800 Einwohnern genau 100 Jahre später überbieten werden.

Damit verbindet sich natürlich eine positive Aufbruchsstimmung mit dem Blick auf eine sich verjüngende Stadt, die man sich nur ungern durch die mit dem Wachstum verbundenen Herausforderungen verhageln möchte. Wir brauchen mehr und preiswerten Wohnraum. Neue Kitas und Schulen müssen her.  Der Straßenraum nimmt nicht mehr alle gewünschten und ungewünschten Verkehrsarten auf. Gewohntes Grün auf den Brachen weicht wie Pilze aus dem Boden schießenden Gebäuden. Städtisches Grün ist im Sommer kaum noch zu sehen, da die Wiesen von den dort Lagernden (und auch deren Müll) überdeckt sind.

Die Innenstadt, als am besten durch den ÖPNV erschlossen, soll diese Herausforderungen vorrangig lösen. Die „doppelte Innenentwicklung“ ist das neue Schlagwort. Nachverdichten wo immer es geht soll mit gleichzeitiger Freiraumentwicklung harmonisiert werden.

Wir meinen hier ist das Prinzip „Wachsen von den Zentren her“, was sowohl in Schrumpfungs- als auch in Wachstumszeiten seine Gültigkeit hat, von den Beinen auf den Kopf gestellt. Was war und ist denn das Besondere an Leipzig: die Vielfalt an Möglichkeiten des Wohnens, des Arbeitens, der Freizeit – kurz des Lebens. Diese Vielfalt kann man nicht allein in den Innenstadtlagen von Leipzig bieten. Für individuellere und auch kostengünstigere Angebote muss man auch die Potenziale der Randlagen in Leipzig nutzen. Was sind aber die Randlagen. Es sind die ehemaligen Ortsteile, die um 2000 auf unterschiedlichem Wege eingemeindet wurden. Ortsteile, die zumeist selbst historische und auch lebendige Zentren haben.

Nichts ist verkehrssparender als das Denken und Planen von den vielen Zentren in Leipzig her. Je mehr es gelingt, dass die Familien, dass die Seniorinnen und Senioren in ihrem Ortsteilzentrum die alltäglichen Belange erledigen können, umso besser ist das Verkehrsauskommen, gleich welcher Art, zwischen der Innenstadt und den Ortsteilen optimierbar. Gleichzeitig stärken wir die Vielfalt der Ortsteile, wenn die Potenziale der Gewerbe- und Wohnraumentwicklung diesem Prinzip folgend genutzt und planerisch unterstützt werden.

Vernachlässigen wir diese Potenziale machen wir die Randlagen zur Palliativstation von Leipzig und die Waldmehrung wird dort, auch ohne Plan, um sich greifen, während wir uns in Leipzigs Innenstadt auf den Füßen herumtreten. Auch wenn es spannend ist, dass man die ersten Wolfspuren im Süden von Leipzig gesehen hat, dennoch kann es nicht unser Ziel sein, dass sich in den Randlagen künftig Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen.

Der vorliegende Verwaltungsstandpunkt zu unserem Antrag wird unserem Anliegen des Wachstumes in Leipzig im gleichen Maße, d.h. im Maße der Potenziale der jeweiligen Lagen, grundsätzlich gerecht. Auch wenn wir ihn in unserer Neufassung aufnehmen, gemahnen wird doch ausdrücklich nicht allein von den Netzen des ÖPNV her zu denken, sondern von den vielfältigen Zentren unserer Stadt. Dies spart wirklich Verkehr und dies sichert uns auch in der Zukunft die so bewunderte Vielfalt.