Goethe passt nach Schönefeld.

Stadtrat Michael Weickert zur Benennung des Gymnasiums Schönefeld nach Johann Wolfgang von Goethe

Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren, verehrte Gäste!

Der Dichterfürst trifft das Assiviertel. So würden es zumindest wohlgestalte Bildungsbürger aus Schleußig betrachten, wenn sie auf den Schulnamen und das Gymnasium Schönefeld schauen. Natürlich würde diese Betrachtung weder Goethe noch Schönefeld gerecht werden. Nun ist der Leipziger Stadtrat gewiss keine literaturhistorische Seminareinrichtung und eine tiefer gehende Diskussion über die Bedeutung von Geistesgiganten würde wie in einem Heizpilz verrauchen.

Die Schulkonferenz hat sich für den Namen entschieden und wahrscheinlich gibt es keine Vorbehalte hier im Rat gegen die Person an sich. Selbst wenn, müsste man klar stellen, dass naehzu jede Persönlichkeit der Geschichte Grautöne aufweist. Aber das Votum der Schulkonferenz sollte doch in hohem Maße auch für uns bindend sein.

Goethe passt nach Schönefeld. Nicht nur weil er die Tradition eines Leipziger Goethe-Gymnasium wiederbelebt. Goethe ist auch ein gutes Stück Leipziger Kultur zwischen Gottsched und Gellert, auch wenn wir uns kritisch hinterfragen sollten, wie das mit dem „Klein Paris“ gemeint ist.

Aber uns geht es in unserem Änderungsantrag dann doch nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Person Goethe. Vielmehr müssen wir die Stadtverwaltung dann doch ein Stück weit loben. Wo sonst Abstimmungen und Entscheidungsprozesse ineffizient gestaltet werden, ist an dieser Stelle mit bemerkenswertem Elan gehandelt worden. Noch bevor wir hier im Stadtrat den Schulnamen beschließen, ziert bereits ein Schriftzug „Goethe Gymnasium“ die neue Schule.

Meine Damen und Herren, natürlich ginge dies eigentlich nicht, wenn wir in die Richtlinie für Schulnamen in Leipzig schauen. Aber wollen wir nun wirklich lange Debatten an dieser Stelle führen, was wie durchgesetzt wird? Im Sprachgebrauch findet sich ohnehin keine Werner-Heisenberg-Schule oder Robert-Schumann-Schule, sondern das Heisenberg-Gymnasium und das Schumann-Gymnasium.

Wir werden mit unserem Antrag mit Sicherheit noch intensivere Debatten führen, ob die Schulform in den Namen gehört. Unsere grundsätzliche Auffassung dazu war immer folgende: Es hängt nicht am Begriff. Diskriminierung aufgrund der Schulform mag ein Problem sein, aber es steht gewiss derzeit nicht im Vordergrund schulpolitischer Debatten. Wir sollten mit gesundem Pragmatismus an diese Frage herangehen, und ein Stück weit sprachliche Realität auch im Verwaltungsdeutsch niederschreiben. Keiner verliert etwas, wenn das Gymnasium Schönefeld zum „Goethe-Gymnasium“ und nicht zur „Goethe-Schule“ wird, im Gegenteil. Schulen schaffen Identität für ihren Stadtteil. Und nicht nur Goethe passt nach Schönefeld. Auch ein Gymnasium gehört zu Schönfeld.