Zur Debatte um Veranstaltungen im Leipziger Zoo

Andrea Niermann

Andrea Niermann

BA Kulturstätten; FA Kultur

Rede der Stadträtin Andrea Niermann (es gilt das gesprochene Wort.)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren Beigeordnete,

liebe Gäste hier auf der Tribüne und im Livestream,

liebe Kollegen und Kolleginnen, lieber Herr Prof. Junhold,

beginnen möchte ich meine Rede damit, Ihnen, Herr Prof. Junhold, und Ihrem gesamten Team herzlich auch im Namen meiner Fraktion für Ihren hervorragenden Einsatz zu danken.

Wir alle wissen, was Sie in den vergangenen Jahren für den Zoo geleistet haben. Es kommt nicht von ungefähr, dass unser Zoo laut Sheridan-Zoo-Ranking bereits seit Jahren den Platz 2 der besten Zoos Europas belegt.

Es kommt auch nicht von ungefähr, dass der Zoo wissenschaftlich weltweit höchste Anerkennung genießt und dass er jährlich bis zum coronabedingten Lockdown fast zwei Millionen Besucher angezogen hat.

Unser Zoo ist ein Leipziger Leuchtturm, weit über Leipzigs und Sachsens Grenzen hinaus bekannt… und das ist auf Ihre hervorragende Arbeit in den vergangenen Jahren zurückzuführen!

Warum nun dieser Antrag des Migrantenbeirates, mit dem ausgerechnet unserem Zoo Rassismus unterstellt wird? Warum? Ich habe den Verdacht, meine Damen und Herren, dass es dem Migrantenbeirat hier darum geht, ein weit sichtbares politisches Zeichen für seinen – in meinen Augen völlig falsch verstandenen – Kampf gegen Rassismus zu setzen.

Es mutet infam an, dem Zoo die Reproduktion von rassistischen Stereotypen durch das Anbieten der im Antragstext genannten Veranstaltungsformate und damit Rassismus vorzuwerfen.

Ich zitiere Ziffer 1 des Antrags

„Der Oberbürgermeister wird beauftragt, sich dafür einzusetzen, dass die Veranstaltungen wie etwa Hakuna Matata, die asiatischen Sommernächte und Eldorado … durch Veranstaltungsformate ersetzt werden, die keine stereotypen Klischees wiederholen.“

Wir sollen den Zoo an die Kette legen, ihm die Vertragsfreiheit beschneiden. Er soll über die Ausgestaltung seiner Abendveranstaltungen – die übrigens außerordentlich erfolgreich sind – und seine Vertragspartner nicht mehr selbst entscheiden dürfen.

Wenn es dafür irgendeine Veranlassung gäbe, hätte ich dafür Verständnis. Es gibt aber keine.

Ich frage mich, ob die Antragsteller die genannten Veranstaltungen jemals besucht haben. Keine dieser Veranstaltungen bedient aus meiner Sicht rassistische Stereotype. Wer eine solche Veranstaltungen schon einmal erlebt hat, weiß das und käme nicht auf die Idee, dass hier rassistische Stereotype verbreitet werden. Ganz im Gegenteil tut unser Zoo alles, um jede mögliche Ähnlichkeit mit den Völkerschauen des 19. Jahrhundert auszuschließen.

Mit Ziffer 2 des Antrages unterstellt der Migrantenbeirat dem Zoo eine unzureichende Beschäftigung mit dem Thema Kolonialismus: Er habe bislang nicht genug getan, um seine koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Oberbürgermeister soll deshalb beauftragt werden, sich für die Intensivierung der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit durch den Zoo und dafür, dass dieses Engagement auf dem Zoo-Areal in einer erweiterten Form und in entsprechenden Publikationen sichtbar gemacht wird, einzusetzen.

Hierzu muss man wissen, dass der Zoo sich schon seit fast 20 Jahren vorbildlich um die Aufarbeitung seiner kolonialen Geschichte kümmert. Die Aufarbeitung ist Teil verschiedener Publikationen des Zoos und auch der Webseite zu entnehmen.

Jeder, der den Zoo regelmäßig besucht oder sich einmal damit beschäftigt, weiß das.

Es ist gut, dass der Zoo den Austausch und die Zusammenarbeit mit dem Migrantenbeirat und anderen relevanten Akteuren fortsetzen und intensivieren wird. Es ist auch gut, die Gestaltung der Abendveranstaltungen in diesen Austausch miteinzubeziehen. Genau hierauf stellt der Verwaltungsstandpunkt ab. Deshalb übernimmt die CDU-Fraktion den Verwaltungsstandpunkt zum Antrag und stellen diesen hier als Alternativvorschlag zur Abstimmung.