Bauen, bauen, bauen in Leipzig?
Der Stadtrat hat die Umsetzung des Bauturbos beschlossen. Das ist ein wichtiger Schritt für Leipzig. Unsere Stadt wächst – und mit ihr der Bedarf an Wohnraum. Der Zuzug der vergangenen Jahre hat den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt weiter unter Druck gesetzt. Schon heute fehlen tausende Wohnungen, während die Nachfrage weiter steigt. Gleichzeitig dauern Planungs- und Genehmigungsverfahren oft zu lange. Wertvolle Zeit geht verloren, in der dringend benötigter Wohnraum nicht entsteht.
Mit dem Bauturbo schafft Leipzig nun die Voraussetzungen, um schneller Baurecht zu schaffen und Projekte zügiger umzusetzen. Genau dieses Signal braucht der Wohnungsmarkt: Leipzig will bauen und Leipzig will schneller bauen. Außerdem werden Projekte möglich gemacht, die es sonst aufgrund der hohen Standards schwerer haben. So kann nun auch bezüglich Bauhöhen und –dichte abweichen. Für eine Nachverdichtung am Rande der Stadt muss man nicht mehr auf einen Bebauungsplan warten, wenn die Infrastruktur schon vorhanden ist.
Beschleunigte Verfahren sind dabei mehr als eine Verwaltungsfrage. Sie entscheiden darüber, ob Investitionen überhaupt stattfinden. Wer plant und baut, braucht verlässliche und zügige Entscheidungen. Mehr Tempo bedeutet mehr Projekte, mehr Angebot und damit langfristig Entlastung für Mieter und Familien. Gleichzeitig stärkt eine planbare Genehmigungspraxis die regionale Bauwirtschaft und sichert Arbeitsplätze.
Natürlich ist es sinnvoll, dass die Bauherren dabei auch auf Fördermittel zurückgreifen, um die Mieten im Neubau zu dämpfen. Aber dies allein dämpft nicht die Kosten, zumal Fördermittel nicht im erforderlichen Umfang und zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen. Mit jedem Jahr, dass schneller gebaut wird, sparen Mieter und Mieterinnen fast 0,50 € je Quadratmeter. Schnelles Bauen senkt das Risiko nicht geplanter Baukostenerhöhung.
Jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Der Beschluss darf nicht in Aktenordnern verschwinden. Die neuen Spielräume müssen in der Verwaltung konsequent genutzt werden. Entscheidend ist, dass Verfahren tatsächlich schneller werden – nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis. Beschleunigungsinstrumente dürfen nicht an eingespielten Routinen, übermäßiger Vorsicht oder zusätzlichen Anforderungen scheitern. Wir werden genau darauf achten, ob die Verwaltung den politischen Auftrag auch umsetzt.
Mit besonderer Aufmerksamkeit blicken wir auf das angekündigte Baulandmodell. Es wird darüber entscheiden, ob ausreichend Flächen für Wohnungsbau zur Verfügung stehen und ob Investitionen weiterhin wirtschaftlich möglich sind. Leipzig braucht ein Modell, das Wachstum ermöglicht – nicht zusätzliche Hürden für Bauwillige.
Leipzig braucht mehr Wohnungen. Mit dem Bauturbo ist ein wichtiger Schritt gemacht. Jetzt muss die Stadt zeigen, dass sie es ernst meint: schneller planen, schneller entscheiden, schneller bauen. Dafür setzen wir uns ein.